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35 Jahre Werkbundarchiv | Museum der DInge


SELBSTVERSTÄNDNIS


Das Werkbundarchiv – Museum der Dinge ist ein Museum der Produktkultur des 20. und 21.Jahrhunderts, eine Sachkultur, die von der industriellen Massen- und Warenproduktion geprägt ist. Kern der Institution ist das Archiv des Deutschen Werkbundes, eine 1907 gegründete Vereinigung von Künstlern, Industriellen und Kulturpolitikern, die als Teil der utopischen Kulturtendenzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Lebensreform angestrebt hat. Durch eine reformierte, modern-sachliche Gestaltung von industriell gefertigten Produkten, von Architektur und Lebensraum sollte der zunehmenden Entfremdung entgegengewirkt werden. Über die Etablierung ethisch fundierter Werte wie Qualität, Materialgerechtigkeit, Funktionalität und Nachhaltigkeit wollte der Werkbund einen neuen Verständigungszusammenhang zwischen Entwerfer, Produzent, Verkäufer und Verbraucher schaffen. Neben der Einflussnahme auf ein zeitgemäßes Entwerfen und Produzieren von Dingen und Ensembles war die ästhetische Bildung Kernaufgabe des DWB – durchaus im Sinne der individuellen Selbstbestimmung.

Das Werkbundarchiv - Museum der Dinge steht als autonome Organisation bewusst in dieser Werkbund-Tradition und sieht seine Aufgabe gleichermaßen in deren materieller Bewahrung und wissenschaftlichen Dokumentation wie in deren zeitgenössischer Interpretation und Reflexion.

Das Museum sammelt seit den 1970er Jahren designhistorisch bedeutsame Objekte sowie Archivalien und Gegenstände zur Dokumentation des von der Warenkultur geprägten, modernen Alltags. Ergebnis der langjährigen, öffentlich finanzierten Sammlungstätigkeit ist ein Bestand von ca. 35.000 Dokumenten- und ca. 25.000 Objekten, die überwiegend dem 20. Jahrhundert entstammen.
Von seiner ganzen Struktur und Geschichte ist das Werkbundarchiv - Museum der Dinge im Gegensatz zu vielen anderen Museen nicht monologisch aufgebaut, sondern hat zahlreiche Berührungspunkte mit anderen Berliner Museen; sie ermöglicht neben kulturhistorischen, technischen und funktionshistorischen auch soziologisch orientierte Rekonstruktionen des Umgangs mit Dingen in der Industriegesellschaft.


In einem ehemaligen Werkstattgebäude präsentiert sich das Museum als ein "offenes Depot", in dem die Besucher die Möglichkeit haben, auf ca. 500 qm den musealen Umgang mit den Sammlungen zu verfolgen. In der neuen Dauerausstellung sind die Museumsbjekte in Mustersammlungen zusammengestellt, die zum einen die Grundlagen der polarisierenden Werkbundprogrammatik vermitteln und zum anderen allgemeine Aspekte der Material-, Form- und Funktions- und Nutzungsgeschichte der Dinge im 20. Jh. und der zeitgenössischen Produktkultur zeigen.
Die Sammlungsobjekte sind in spannungsvollen Konstellationen gegenüber gestellt: Objekte namhafter Designer und anonymes Design,  kunstgewerbliche Einzelstücke und industrielle Erzeugnisse,  hoch definierte künstlerische Entwürfe und individuell gestaltete Notprodukte, funktional puristische Objekte und so genannte Gechmacksverirrungen oder "Kitsch", substantiell ehrliche Dinge und Material- sowie Funktionssurrogate, Werkbund-spezifische Produkte und Massenware, Markenwaren und No-Name-Produkte.

Der besondere Charakter und die ungewöhnliche Struktur der Sammlung geht einher mit der Entwicklung einer speziellen Ausstellungssprache im Werkbundarchiv – Museum der Dinge.
Die als "offenes Depot" präsentierte Sammlung wird im Rahmen von Ausstellungsprojekten ständig neu befragt, weiterentwickelt und kommentiert.


Das Werkbundarchiv - Museum der Dinge versteht sich als museale Versuchsanstalt, in der sich die Aufmerksamkeit darauf richtet, ausgehend von der heutigen Produktkultur die Geschichte der Dinge im 20. Jahrhundert immer wieder neu wahrzunehmen und wahrnehmbar zu machen. Dabei gilt es den Museumsraum, die Auswirkungen der spezifischen musealen Struktur auf den Objektstatus und die Konstruktion von Wahrnehmung sowie die Möglichkeiten von ästhetischer Bildung in Museen und Ausstellungen zu erforschen.

Nicht der Repräsentation von Kultur und Geschichte verschrieben, versucht das Werkbundarchiv – Museum der Dinge die Partizipation daran zu ermöglichen – eine zentrale bildungs- und gesellschaftspolitische Aufgabe.

Das Museum ist bemüht die in seiner Ausstellungs- und Sammlungstätigkeit erkennbare Identität als Labor und Experimentierfeld für Lernende weiter zu kultivieren. Die langjährige erfolgreiche Vermittlungsarbeit (Ausstellungen, Veranstaltungen, Seminare) wird systematisiert und das Museum in eine Lern- und Erfahrungsplattform zur ästhetischen Gestaltung, -Analyse und –Wahrnehmung für Studierende gestaltungs- und museumsrelevanter Studienrichtungen entwickelt. Das Museum soll zu einem Ort werden, an dem Studierende während ihrer Ausbildung zu Gestaltern und Analytikern von Dingen, Räumen und Prozessen begleitet werden. Zu einem Ort, an dem mit interdisziplinärer Projektarbeit die Kommunikationsstrukturen zwischen den Disziplinen gefördert werden, die das Arbeitsfeld Museum bestimmen.
  

STRATEGISCHE ZIELE

1. Sicherung, Entwicklung und Ausbau des neuen Standorts, der die Möglichkeit bietet, das Dokumenten-Archiv sowie die Bibliothek der interessierten Öffentlichkeit und dem Forschungspublikum zugänglich zu machen, die Sammlungen zu präsentieren, die museologische und auf die Sachkultur bezogene Bildungsarbeit durchzuführen

2. Bewahrung, Sicherung, Pflege und wissenschaftliche Dokumentation der Sammlungen und der Archive nach internationalen Standard

3. Wissenschaftliche Bearbeitung der vorhandenen Bestände
a) mit dem Ziel, sie der internationalen Forschung zu erschließen und in fundierten eigenen Publikationen einer allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich zu machen
b) als Grundlage für die Weiterentwicklung und den Ausbau der vorhandenen Sammlungen.

4. Ergänzung und Ausbau der vorhandenen Sammlungen in den vorhandenen Schwerpunkten, Entwicklung neuer Sammlungsgebiete entsprechend der Entwicklung der Sachkultur und der allgemeinen visuellen Kultur

5. Vermittlung der gesamten Bestände und des damit verbundenen Wissens an ein lokales wie internationales Publikum durch ihre ständige Präsentation, durch Ausstellungen und Veranstaltungen, durch Bildungsarbeit, einschlägige Publikationen aller Art, allgemeine Öffentlichkeitsarbeit und ihre Vernetzung mit vergleichbaren Institutionen und Einrichtungen

6. Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Rahmen einer interdisziplinären, hochschulübergreifenden Lern- und Arbeitsplattform für museumsrelevante Studienrichtungen und Studienrichtungen, die sich gestaltend, vermittelnd und analytisch mit der Sachkultur auseinandersetzen

7. Entwicklung eines der Institution angemessenen Programms zur kulturellen Bildung und Vermittlung von Kindern und Jugendlichen, Schüler allgemeinbildender Schulen
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