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Sammeln!Juni 2000 - Dezember 2001 In den Jahren 2000/2001 wurde die direkte Arbeit an der Sammlungspräsentation, die im Rahmen der Unbeständigen begonnen wurde, wieder aufgenommen, allerdings zunächst über die thematische Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Sammelns. Die Ausstellung mit dem Anfangstitel „sammeln!“ hatte drei jeweils unterschiedlich akzentuierte Phasen, in denen private und künstlerische Sammlungen der eigenen Sammlung gegenübergestellt wurden.
Trotz des nach wie vor präsenten Hintergrunds privater Sammlungen war die 3. Ausstellung auf das museale Sammeln insbesondere die eigene Sammlung fokussiert unter dem veränderten Titel „Asche und Diamant. Sammeln als offenes System“. Der Titel “Asche und Diamant” leitete sich ab von dem Film von Andrej Wajda von 1959 und verdeutlichte metaphorisch das Sammlungsspektrum des Werkbundarchiv - Museum der Dinge. Die Selbstreflexion auf Autorschaft, den Status der Objekte und die Rahmenbedingungen im Medium des Museums bzw. der Ausstellung war und blieb auch hier ein wichtiger Ausgangspunkt der Arbeit. In verschiedenen Räumen wurden klassische museale Ordnungsmuster vorgestellt, z.B. das Museum als Ort der Typologien, das Museum als Vorbildersammlung zur Geschmackserziehung, das Museum als (H)Ort der Stilgeschichte. Insgesamt umfasste die Ausstellung sieben Räume, wovon einer über die ganzen 1 1/2 Jahre unverändert geblieben ist, der abschließende und größte Raum, in dem die Museumssammlung in einem räumlichen Modell vorgestellt wurde. Bevor abschließend auf dieses Sammlungsmodell eingegangen wird, ein Blick auf die Struktur der davor liegenden Räume. Im Kern handelte es sich um eine durchgehende, in den zwei hinteren Räumen sich langsam auflösende Reihe von Metall-Lagerregalen, die sich mittels Spiegeln an jeweils beiden Enden ins Unendliche fortsetzten. In diese Regale waren in den ersten Projektphasen die verschiedenen, sehr heterogenen privaten Sammlungen eingeordnet. Die mittels Spiegeltrick erfolgte visuelle Verlängerung der Regale ins Unendliche verdeutlichte die Geste des Sammelns als allgemeine anthropologische Konstante, als zunehmendes und unbegrenztes alltagskulturelles Phänomen. Die gezeigten Sammlungen waren nicht als einzelnes Konvolut betont und nach vorne zum Betrachter orientiert, sondern nüchtern aufgereiht, als Dingfolge von links nach rechts lesbar und die Dinge vergleichbargemacht. Es wurde also nicht das individuelle und originelle jeder Sammlung herausgestrichen als vielmehr Homogenität erzeugt und nivellierend gearbeitet, entsprechend der Funktionsweise des klassischen Museums.
Unter dem Raumtitel „Codes und Reihen“ wurde das Ansammeln und Aufreihen als ein zunächst einfaches Ordnungsmuster gezeigt, das den Besucher zum Vergleich der Objekte in ihrer dinglichen Erscheinung animieren und seine Aufmerksamkeit auf die elementaren Aspekte der Dingkultur lenken sollte: Form, Farbe, Volumen, Material, Oberflächenbeschaffenheit. Wie im Museum üblich trat die Phänomenalität der Dinge in der Vordergrund. Für die Zusammenstellung der Komplexe war jeweils ein Aspekt der Dinge entscheidend: Dinge aus einem bestimmten Material (Aluminium), Dinge, die in einer bestimmten Farbkombination gestaltet wurden (schwarz-gelb, rot-weiß), Dinge, die von einem bestimmten Zeitstil geprägt wurden (Vasen der 1950er Jahre), Dinge, deren Form aus einer technischen/ mechanischen Funktion abzuleiten waren: fönen, bügeln, schalten. In den morphologischen Reihen lag eine Aufforderung, aus der Anschauung eine Lesart zu entwickeln, für das was fremdartig geworden war. Eine Aufforderung, sich der dinglichen Sprache zu nähern und nicht die Dinge hinter schriftlich dargelegten kulturhistorischen Zusammenhängen verschwinden zu lassen. Kreuzungen - ein Sammlungsmodell
Die Regalbretter befreiten sich aus dem festen Gefüge und bildeten hier eine gewagte, fragile räumliche Konstruktion, die verschiedenste Betrachterperspektiven ermöglichte. Der Betrachter wurde über einen leicht erhöhten Steg durch den Raum geführt, dessen Boden mit Sand bedeckt war. Die Objektträger waren faktisch unterschiedlich lange Bretter, schwarz gestrichen und mit einer Metallschiene belegt, die eine Befestigung der darauf abgestellten Objekte mittels Magneten ermöglichte.
Am Kreuzungspunkt zweier Bretter standen/lagen Objekte, die beiden Sammlungslinien zuzuordnen waren. So wurden die Verknüpfungen und Überschneidungen zwischen den Sammlungsbereichen angezeigt. Ausschnitt aus einem Text von Renate Flagmeier, erschienen in www.kunsttexte.de |
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