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SCHAUSAMMLUNG – OFFENES DEPOT Das Werkbundarchiv – Museum der Dinge hat seit seiner Wiedereröffnung 2007 eine ständige Schausammlung in der Ästhetik eines offenen Depots. Darin setzt sich das Museum kritisch mit seinem Kernthema – dem 1907 gegründeten Deutschen Werkbund – auseinander und überprüft die Werkbund-Zielsetzungen in Konfrontation mit der heutigen Produktkultur auf ihre Zukunftstauglichkeit.
Werkbund-Programm war es, der eigenen Zeit ein Gesicht zu geben, das auf einer aus der Technik abgeleiteten Funktionalität basierte. Dinge sollten schlicht und nützlich sein, sie sollten als stumme Diener das Leben der Menschen erleichtern, statt es als verführende, eigenmächtige Warenfetische zu dominieren.
Im Rückgriff auf das Bild der 'Ausstellungszentrale' aus dem Kontext des historischen Werkbund-Museums – das von Karl Ernst Osthaus ab 1909 in Hagen aufgebaute Deutsche Museum für Kunst in Handel und Gewerbe – lässt sich die Schausammlung als Repertoire von Mustersammlungen verstehen, die aus den Beständen des Werkbundarchiv – Museum der Dinge zusammengestellt sind und die sich zu größeren thematischen Ausstellungen erweitern lassen.
Die Schausammlung gliedert sich in zwei große Bereiche: Das eigentliche offene Depot an der Längsseite des zentralen Ausstellungsraums und eine thematisch „argumentierende“ Mittelachse. Für diese wurden Objekte ausgewählt, die zum einen Grundlagen der historischen Werkbundarbeit vermitteln können und zum anderen die zeitgenössische Produktkultur vor diesem thematischen Hintergrund reflektierbar machen. Die Schränke an der Randseite enthalten weitere Sammlungsbereiche zur Sachkultur des 20. Jahrhunderts im Aufbewahrungsmodus. Durch diese Gegenüberstellung sollen die ausstellungsspezifischen Zugriffe auf die Sammlung für die Besucher nachvollziehbar und die verschiedenen Lesarten der Bestände sichtbar gemacht werden. Die Konzentration auf die durch Waren- und Massenproduktion bestimmte Produktkultur basiert auf der Sammlungsausrichtung des Museums. Architektur, Grafik und Fotografie als zentrale Bereiche im Aktivitätsspektrum des Werkbunds werden nur am Rande – in einer eher dokumentarischen Form – berücksichtigt.
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Revision der Schausammlung Seit der Wiedereröffnung des Museums am
neuen Standort sind über 3 Jahre vergangen. Das "Offene Depot", die
Schausammlung, wird in der nächsten Zeit inhaltlich überarbeitet und in
ihrer dialogischen Konzeption stärker akzentuiert.
Im Einzelnen ist Folgendes geplant:
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Überarbeitung der Einführung in die dialogische Struktur der
Schausammlung auf verschiedenen Ebenen (nicht nur guter-schlechter
Geschmack), Einführung in die Gegenüberstellung von thematischer Linie
in der Mitte und Offenem Depot an der Seite und andere grundsätzliche
Aspekte etc..
- Durcharbeitung der Vor- und Feindbildersammlungen
zur DWB-Programmatik und Konzentration auf der Basis der bisher dazu
gewonnenen neuen Erkenntnisse und Erfahrungen in der musealen
Vermittlung
- Herausarbeitung der anderen über die
Werkbund-Programmatik hinausgehenden dialogischen Strukturen:
DDR-Produkte - BRD-Produkte, Selbstbau - Industrieprodukte, technische
Form - organische Form, echt - unecht, Produktion - Handel etc.
- stärkeres
Herausarbeiten der für unser Museum relevanten Aspekte der aktuellen
Produktkultur, dafür Straffung des historischen Teils
- Austausch einzelner, zu unspezifischer Sammlungsbereiche an der Randseite
- stärkere Betonung des Archivraums als Schnittstelle von Museum und Archiv
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Gebrauchsanweisung für eine "Frankfurter Küche" im Museum (der Dinge) Die so genannte "Frankfurter Küche" ist kulturgeschichtlich ein wichtiges Zeugnis für die Übertragung von industriellen, d.h. rationalisierten Arbeitsvorgängen in den Bereich des privaten Haushalts – ein zentraler Aspekt für die moderne Architektur und Alltagskultur der 1920er Jahre.
Die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky hat die Küche 1926 als einen Typus entworfen, der zehntausendfach in zahlreichen Varianten in den Frankfurter Siedlungen realisiert wurde. Schütte-Lihotzky arbeitete im Auftrag des Frankfurter Stadtbaurats Ernst May, der in sich die Position des gestaltenden Architekten und die des politisch-kommunalen Managers für das Neue Frankfurt der 1920er Jahre vereinigte. Angesichts der steigenden Bevölkerungszahlen und der städtischen Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg ging es bei diesem Wohnungsbauprogramm um günstigen, effizient und sparsam genutzten Wohnraum mit einer einfachen, preiswerten Ausstattung für große Bevölkerungszahlen. Das vor allem von der SPD unterstützte Siedlungsbauprogramm war politisch motiviert und hatte zum Ziel, die möglichen technischen und hygienischen Standards der Zeit (fließendes Wasser, Gas und Elektroenergie) auch unteren Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Das Programm wurde durch eine spezielle moderne Öffentlichkeitsarbeit vermittelt, in deren Rahmen z.B. auch die Küche erfolgreich auf der Frankfurter Frühjahrsmesse 1927 vorgestellt wurde.
Die Typisierung, d.h. die Entwicklung eines standardisierten Modulsystems, ermöglichte zum einen die Reduzierung der benötigten Grundfläche und zum anderen eine serielle Fertigung und damit die Senkung der Herstellungskosten. Die "Frankfurter Küche" fand eine große Verbreitung und wurde zum Vorbild für die moderne Einbauküche. Allerdings gibt es nicht die "Frankfurter Küche", sondern das Modell erfuhr in der Phase seiner Realisierung in verschiedenen Frankfurter Siedlungen bis 1930 diverse Veränderungen.
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Die "Frankfurter Küche" orientierte sich an den Speisewagenküchen der
Eisenbahn, wurde auf der Basis taylorisierter Arbeitsabläufe geplant und
war rationell und funktional gestaltet. Sie sollte als reine
Arbeitsküche in Verbindung mit einem durch eine Schiebetür abtrennbaren
Wohnzimmer genutzt werden und ein "Kochbetrieb" oder "Kochlaboratorium"
sein. |
Das in die Schausammlung des Werkbundarchiv – Museum der Dinge
integrierte Exemplar der "Frankfurter Küche" stammt aus einem
Zweifamilien-Reihenhaus im Heidenfeld 24 in der Römerstadt-Siedlung, die
1927/28 entstanden ist. In den Küchen der Römerstadt-Siedlung fehlten
die in anderen Frankfurter Küchen vorhandene Schiebetür und die
Kochkiste und sie waren mit Kombinationen aus Elektro- und Kohleherd
ausgestattet. Der ursprüngliche Herd fehlt in diesem Interieur und wird
durch ein vergleichbares Modell ergänzt. Die Küchenmöbel waren
ursprünglich blaugrün gestrichen und wurden im Laufe ihrer Nutzung
creme-weiß überstrichen. Die Küche wird unrestauriert aufgestellt,
da die Nutzungs- und Veränderungsspuren sichtbar bleiben sollen; nur die
Beschläge wurden von Farbe befreit und einige fehlende Teile ergänzt.
Das
Ensemble ist eine ideale Ergänzung der Schausammlung des Museums, da
sich am Beispiel der "Frankfurter Küche" die Leitbegriffe der 1920er
Jahre veranschaulichen lassen: Sachlichkeit, Funktionalität und vor
allem Standardisierung. Der Begriff der Standardisierung bezog sich
nicht nur auf die Produktionstechnik, sondern spiegelt auch die
ideologische Überzeugung der Aktivisten von Bauhaus und Werkbund wider,
durch eine gleichförmige Gestaltung der alltäglichen Dinge zur
Nivellierung der Klassengegensätze beizutragen. Der künstlerische
Entwurf des standardisierten Objekts diente der Veredelung und
garantierte die Endgültigkeit der richtigen Form.
Die
"Frankfurter Küche" gehört zu den von Werkbund und Bauhaus geprägten
Modellen für ein "Neues Leben" des "Neuen Menschen", die in den 1920er
Jahren eine starke Konjunktur erlebten. In diesen Bestrebungen ist eine
Abgrenzung von historisch bestimmten Identitätsanteilen zu erkennen.
Bruno Taut lehnt in seiner Schrift "Die neue Wohnung" die Präsenz von
Erinnerungsstücken und von jeglichem 'historischen Plunder' ab. Die
wissenschaftliche Haushaltsexpertin der 1920er und 1930er Jahre Erna
Meyer schreibt: "Jetzt geht's ums Ganze; der neue Mensch sucht seine
neue Haut!" (E. M., Wohnungsbau und Hausführung, 1927, S.89). Das
'sinnlose Chaos' der Welt sollte durch eine 'planvolle Ordnung' ersetzt
werden. Die Vorstellung vom gesetzmäßigen Aufbau der Wirklichkeit
entspricht einer durch den industriellen Produktionsprozess bedingten
prinzipiellen Funktionalität und Rationalität. In diese sollten sich
sowohl die Gegenstände als auch die Menschen eingliedern. Die Folgen
dieser reformatorischen Ansätze insbesondere im Siedlungsbau wurden in
den 1970er und 1980er Jahren im Kontext der Debatten um den sozialen
Wohnungsbau kritisch hinterfragt. Ebenso kritisch ist das Frauenbild zu
betrachten, das im Konzept der Frankfurter Küche deutlich wird. Durch
eine rein funktionale Arbeitsküche sollte zwar die Hausarbeit
erleichtert werden, aber ohne die Zuweisung dieses Arbeitsbereichs an
die Frauen in Frage zu stellen.
Die eigene Anschauung der realen
musealisierten Küche wird ergänzt durch eine Ton-Video-Installation auf
der Basis von historischem Bild- und Filmmaterial, den Äußerungen der
entwerfenden Architektin Margarete Schütte-Lihotzky aus einem Interview
von 1985 und den Positionen zweier langjähriger Erforscher der
"Frankfurter Küche". Dies ist Astrid Debus-Steinberg von der
Gesellschaft für Kunst und Denkmalpflege in Stuttgart, die seit Ende der
1980er Jahre viele "Frankfurter Küchen" gerettet, gesammelt und
systematisch erforscht hat. Dr. Joachim Krausse hat als
Kulturwissenschaftler in den 1980er Jahren gemeinsam mit dem
Architekturtheoretiker Jonas Geist die Spannungen zwischen Idee und
Wirklichkeit des Neuen Frankfurt mittels des Dokumentarfilms
archäologisch untersucht. ___
Der Ankauf der Frankfurter Küche
wurde gefördert durch die Stiftung Preußische Seehandlung in Berlin.
Der
Einbau der Küche wurde maßgeblich durch die Partnerschule des Museums,
die marcel-breuer-schule (OSZ) in Berlin Weißensee, unterstützt.
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WECHSELAUSSTELLUNGENParallel
zur Schausammlung zeigt das Museum wechselnde Ausstellungen und
Installationen, die die eigene Sammlung ergänzen, kommentieren und in
einem immer neuen Licht erscheinen lassen.
Das Werkbundarchiv -
Museum der Dinge hat eine spezielle Ausstellungssprache entwickelt, die
auf der Abkehr vom neutralen Museumsraum und der nicht-illustrativen
Verwendung von Museumsobjekten beruht. Das Ziel besteht darin,
räumliche, atmosphärisch aufgeladene Bilder ("Raumbilder") zu erzeugen
sowie Objekte, Besucher und Raum in ein neues Verhälnis zu setzen. Im
Sinne einer museologischen Selbstreflexion wird dabei untersucht, wie
sich diese spezifische Struktur auf den Objektstatus auswirkt und
Wahrnehmung konstruiert wird. Eine solche neue Verknüpfung musealer
Theorie und Praxis dient jedoch auch der Erforschung des Museumsraums
und der Auslotung der Möglichkeiten ästhetischer Bildung in Museen und
Ausstellungen.
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