DING des Monats
August 2008:
Drehstuhl
Der Drehstuhl Marke Eigenbau mit
der Inventar-Nr. O 280 wurde in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts erschaffen
und im Museum dem Sammlungsbereich Blasse
Dinge / Notprodukte zugeordnet. Sein Gestell wurde aus Metallrohren
zusammengebaut, der Fuß ist einer Pyramide mit quadratischer Grundseite
nachempfunden. An allen vier Ecken befinden sich kleine Gummifüße. In der
Pyramidenspitze steckt ein dickes Rohr, das etwa ein Drittel in die Gesamthöhe
der Pyramide hineinragt. Daran ist der Drehmechanismus angebracht, auf dem sich
der Sitz befindet. Das Polster aus schwarzem Kunststoff wirft an den Kanten
Falten. Auf der Sitzfläche liegt ein Rechteck aus grauem Stoff mit schwarzen
Quadraten. Das Rückenpolster aus braunem Leder ist bereits stark abgenutzt. Auf
den gebogenen Armlehnen ist jeweils ein Armpolster, ebenfalls mit schwarzem
Kunststoff überzogen, angebracht.
Bei diesem Objekt handelt es sich
um ein Fundstück aus einer ehemaligen Sowjet-Kaserne auf dem Gelände des
olympischen Dorfes in Elstal/Döberitz, das in den Jahren 1934-1936 unter der
Leitung des Architekten Werner March erbaut wurde. Es waren dort ausschließlich
männliche Sportler untergebracht. Das geschichtsträchtige Gelände wurde nach
dem 2. Weltkrieg von der Sowjetarmee besetzt und erst 1992, als die
sowjetischen Truppen abzogen, endete seine seit 1894 bestehende militärische
Nutzung. Für die Errichtung des Truppenübungsplatzes mussten die 153 ansässigen
Bewohner von Döberitz damals ihr Heimatdorf verlassen.
Die historischen Gebäude wurden
1993 unter Denkmalschutz gestellt. In den Jahren 1999-2000 wurde das umliegende
Gebiet im Rahmen eines EU-Förderprogramms einer Munitionsräumung unterzogen.
Inzwischen befindet sich das Areal im Besitz der Stiftung für
gesellschaftliches Engagement und steht seit 2004 für Besucher offen. Über
seine zukünftige Bestimmung herrscht nach wie vor Unklarheit. Allerdings wird
es häufig als Kulisse für Filmproduktionen genutzt, wie zuletzt für die Komödie
„Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ von Dani Levy.
Alea Franke Der Text entstand im Seminar "Einführung in den Kulturjournalismus" von Annett Gröschner und Jule Körber an der Universität Hildesheim, 2008.
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