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Gute Form im Wiederaufbau
Denkt man an den monumentalen Beitrag Deutschlands auf der
Weltausstellung Paris von 1937 zurück, so erscheint derjenige auf der
ersten Weltausstellung nach dem Krieg in Brüssel 1958 als das pure
Gegenteil, ist letzterer doch stark von Mäßigung und Selbstbeschränkung
geprägt. Das wirft die Frage auf, welche Wege die Architektur und das
Design im Nachkriegsdeutschland eingeschlagen haben.
In seiner überarbeiteten Dissertation „Gute Form“ im Wiederaufbau. Zur Geschichte der Produktgestaltung in Westdeutschland nach 1945
untersucht Christopher Oestereich deshalb die Geschichte der
Verantwortlichen für den deutschen Beitrag in Brüssel, den Deutschen
Werkbund. Auf 70 Seiten werden im Kapitel Der deutsche Werkbund im Wiederaufbau
Organisation, Wirken und Programmatik des DWB nach 1945 dargestellt.
Die folgenden Kapitel widmen sich dem Stand und der Entwicklung von
Handwerk und Industrial Design. Im Kapitel Staat und Gestaltung
wird auf die Rolle und das Einwirken des Staates auf die Kulturpolitik
und Formgestaltung eingegangen. Weitere Kapitel gehen der Beziehung von
Konsum und Verbraucher und der Gestalterausbildung nach.
Oesterreich sieht im DWB ein typisches Produkt der Nachkriegszeit: die
Neugründer sahen sich in der Tradition der 20er Jahre. Eine kritische
Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus fand nicht
statt. Aktuellen politischen Ereignissen gegenüber blieb der DWB stets
zurückhaltend. Produktgestaltung und Architektur aber wurden erneut die
genuinen Arbeitsfelder. Außerdem arbeitete der DWB zum Thema der
Naturzerstörung schon lange, bevor eine ökologische Bewegung als solche
entstand.
Christopher Oestereich: „Gute Form“ im Wiederaufbau. Zur Geschichte
der Produktgestaltung in Westdeutschland nach 1945. Berlin 2000.
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