Coming soon: »Dekor als Übergriff?«

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Tortenplatte. Dekor: 1556, um 1930. Steingutfabrik Sörnewitz AG, Sörnewitz-Meissen. Sammlung Stefan Bachmann, Berlin. Foto: Armin Herrmann, 2019

Eröffnung: 10. Oktober 2019, um 19 Uhr 
Dauer: 11. Oktober 2019 – 10. Februar 2020

Kraftvolle Farben, abstrakte Formen und konstruktivistische Muster auf Tassen, Tellern und Tortenplatten: die Spritzdekore auf der Alltagskeramik der 1920 und 1930er verkörpern eine andere Moderne als die sachliche, monochrome Keramik im Sinne von Werkbund und Bauhaus. Aufgetragen mit rationalisierter Spritz- und Schablonentechnik bringen sie die Bildmotive der avantgardistischen Malerei von der Leinwand auf den Küchentisch.

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Gebäckdose. Form und Dekor unbekannt, ab 1930. Christian Carstens KG, Feinsteingutfabrik, Gräfenroda. Sammlung Stefan Bachmann, Berlin. Foto: Armin Herrmann, 2019

Keramik mit Spritzdekor bleibt selbst zur Zeit der Weltwirtschaftskrise ein günstiger Mode­artikel, der in hunderten Dekorvarianten herge­stellt und vertrieben wird und auf ökonomischer, gesellschaftlicher, technischer und künstleri­scher Ebene die Diskurse der Zeit repräsentiert: das Verständnis von künstlerisch­gestaltender Arbeit, das Verhältnis von individuell geprägtem Einzelstück und anonymer Massenware, von Form und Ornament. 

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Tasse eines Teeservices. Entwurf: Margarete Heymann-Loebenstein,Haël-Werkstätten für künstlerische Keramik GmbH, Marwitz bei Velten, um 1929. Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Berlin. Foto: Armin Herrmann, 2019

Warum verschwindet das populäre Spritzdekor Mitte der 1930er Jahre aus dem Warenangebot? In welchem Verhältnis steht es zum Kanon der klas­sischen Moderne? In welchem Zusammenhang stehen die Dekore zu den Bildmotiven der künstlerischen Avantgarde und deren Verfemung als »entartet« durch die Nationalsozialisten? Diesen Fragen geht die Ausstellung mit hunderten Beispielen aus privaten Sammlungen nach.

Zur Ausstellungsreihe:

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Kleine Kakaokanne: Form 528, um 1930. Große Kakaokanne: Form 538, um 1930. Porzellanfabrik C.A. Lehmann & Sohn, Kahla. Sammlung Ulrich Thomas, Berlin. Foto: Armin Herrmann, 2019.

Das Werkbundarchiv — Museum der Dinge zeigt im Kontext des Bauhausjahres seit November 2018 bis Frühjahr 2020 eine Ausstellungsserie unter dem Titel
»111/99 – Fragen zur Gestaltungssprache der Moderne«.
 
Zwölf Jahre liegen zwischen der Gründung der Reformbewegung Deutscher Werkbund 1907 und der stilbildenden Kunstschule Bauhaus 1919 – im Jahr 2018 wurde der Deutsche Werkbund 111 und das Bauhaus 99 Jahre alt. Die Jubiläumsdaten als Zahlenspiel aufgreifend, hinterfragt das Werkbundarchiv – Museum der Dinge die programmatischen Schnittmengen beider Institutionen in der Entwicklung einer Gestaltungssprache der Moderne.

Warum haben sich bestimmte Merkmale als Kennzeichen für Modernität entwickelt und gelten trotz aller kritischen Reflexion bis heute als gesetzt: Materialien wie Glas, Stahl, Beton; Begriffe wie Sachlichkeit, Dekorlosigkeit, Funktionalität oder die Reduktion der Farbigkeit auf die Grundfarben und das Spektrum zwischen Weiß und Schwarz. Warum hat sich das von sozialen, politischen und ökonomischen Debatten geprägte Lebensreformkonzept von Werkbund und Bauhaus auf die starre Eindeutigkeit eines rein ästhetisch verstandenen Gestaltungsrezepts oder Musterbuchs reduziert? 

Diese Aspekte werden in aufeinander folgenden Ausstellungen thematisiert: 

REKLAMEKUNST STATT KUNSTGEWERBE? 
   23. NOV 2018 BIS 11. MÄRZ 2019 

EINZELSTÜCK ODER MASSENWARE? 
   04. APR 2019  BIS 9. SEP 2019 

DEKOR ALS ÜBERGRIFF? 
  Ab 11.  OKT 2019 BIS 10. FEB 2020
  Eröffnung am 10. Oktober 2019 um 19 Uhr