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Die bisherigen Ausstellungen des Museums als Liste und eine Auswahl von Einzel-Präsentationen (im Aufbau)

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12.04.2013 - 3.6.2013

3 x sammeln
designhistorisch, kulturhistorisch, ästhetisch

Das Werkbundarchiv – Museum der Dinge verfügt seit 2007 über eine Schausammlung und damit über eine neue Ebene der ständigen Auseinandersetzung mit dem öffentlich sichtbaren Sammlungskonzept. In seiner Ausstellungsreihe „Sammlungen zeigen“ setzt es sich mit privat determinierten Sammlungen auseinander, vergleicht Aufmerksamkeiten und Ordnungsweisen.

Im Rahmen der Präsentation „3 x sammeln“ werden drei in jüngster Zeit in die Sammlung des Werkbundarchiv –Museum der Dinge aufgenommene Objekt- und Dokumentenkonvolute vorgestellt:
























Zum einen die designhistorisch motivierte Objektsammlung des Malers und Gestaltungslehrers Werner Schriefers, eine Lehrsammlung zum „vergleichenden Sehen“, die aus den Beständen der Kunsthochschule Weißensee übernommen wurde: Schreibmaschinen, Kaffeeautomaten, Leuchtkörper, Ventilatoren, Porzellan...






















Zum zweiten die kulturhistorisch motivierte Sammlung v.a. von Dokumenten und Büchern des Kulturpädagogen und Kulturhistorikers Diethart Kerbs, dem Mitbegründer des Werkbundarchivs: Lebensplanbücher, Sammelalben, Sprüche-Bilder, Dokumente zur Lebensreformbewegung, zur Kunstpädagogik, zum Wohnen...























Zum dritten die ästhetisch motivierte Sammlung von Alltagsdingen der Buchhändlerin Pädagogin Lene Reckenfelder, der es um die Poesie des Alltags ging: Blech- und anderes Spielzeug, Knöpfe, Glasgefäße, Schreibutensilien, Handspiegel...








Überarbeitete Schausammlung

2011 hat das Werkbundarchiv – Museum der Dinge seine Schausammlung überdacht und überarbeitet. Die seit 2007 existierende ständige Ausstellung hat den Charakter einer Studiensammlung und die Ästhetik eines „Offenen Depots“. Diese Grundgestalt ist geblieben, die Veränderungen liegen im Detail. Zusammenfassend ging es um die weitere Fundierung ausgewählter Kontexte, die Ergänzung fehlender inhaltlicher Aspekte und um die Straffung der historischen Sammlungsbereiche zugunsten der aktuellen Produktkultur.

Auf der historischen Grundlage der polarisierenden Werkbund-Programmatik hat das Museum seine Schausammlung konzipiert und dialogisch in einer Gegenüberstellung von Vor- und Feindbildersammlung angelegt. Um diese Struktur zu vermitteln, war ursprünglich die Einleitungsvitrine mit schwarz-weißen Objekten ausgestattet, als Metapher für die polarisierende Argumentationsstrategie des Deutschen Werkbunds. Dieses "Bild" entsprach durchaus der musealen Intention, war aber für viele Besucher ohne zusätzliche Vermittlung kaum lesbar. Anstelle dieses Schwarz-Weiß-Bildes ist eine Einleitungsvitrine getreten, in der ausgewählte Objekte mit Begriffen kombiniert werden – eine Art von Bedienungsanleitung für die Schausammlung.


Einleitungsvitrine



















Ausgewählte Sammlungsbereiche konnten durch bedeutende Dauerleihgaben und Schenkungen privater Sammler außerordentlich aufgewertet werden, beispielhaft sind drei zu nennen:

Spritzdekor
Die Abteilung für Spritzmuster aus den 1920er und 1930er Jahren konnte ergänzt werden. Das Dekor dieser Objekte leitet sich insbesondere von konstruktivistischen Tendenzen in der Kunst ab, war also durchaus modern. Allerdings repräsentieren sie eine andere Richtung der Moderne als die ornamentlose Gestaltung, die der Werkbund favorisierte.













Vitrine DDR-Produktdesign
Der zweite wesentlich aufgestockte Bereich ist der des DDR-Produktdesigns. Die DDR-Produktkultur ist zwar für das museale Kernthema Werkbund nicht relevant – in der DDR gab es den Werkbund nicht –, aber es gab eine intensive Formdebatte, die sich an der Gestaltung der Dinge ablesen lässt.  Die neu integrierten, hervorragenden Beispiele von DDR-Design tragen entscheidend zur Fundierung der in der Schausammlung angelegten dialogischen Struktur ost-west bei.






Vitrine: Henry van de Velde
Als letztes Beispiel ist die Fokussierung von einzelnen Werkbund-Protagonisten zu nennen wie der belgische Künstler Henry van de Velde oder der Grafiker Lucian Bernhard. Auch in diesem Kontext wurde das Museum durch private Dauerleihgaben unterstützt.


















Die Zusammenarbeit mit privaten Sammlern ist selbstverständlich nicht grundsätzlich neu für das Museum der Dinge. Trotzdem ist hervorzuheben, dass Personen, die sich durch die eigene Sammlungstätigkeit spezialisiert haben, dem Museum auch jetzt wieder wichtige Impulse gegeben haben. Gerade bei dem weiten Sammlungsfeld der alltäglichen Produktkultur des 20. und 21. Jahrhunderts braucht es externe Experten, die das Museum mit ihrem Spezialwissen unterstützen. In der Zusammenarbeit zwischen Museumsmitarbeitern und den privat sammelnden Spezialisten muss allerdings immer beachtet werden, wie der jeweils gemeinsam analysierte Sammlungsbereich sinnvoll überarbeitet und ergänzt werden kann.  Der Spezialbereich darf durch die Beratung des externen Experten nicht ein zu großes Gewicht erhalten oder in eine vom Museum aus gesehen falsche Richtung akzentuiert werden. Diese Überprüfung kann nur auf der Basis eines Sammlungskonzepts mit klaren Auswahl- und Bewahrungskriterien sinnvoll stattfinden, um dessen Aktualisierung sich das Museum der Dinge kontinuierlich bemüht.

In die Revision der Schausammlung wurden Erfahrungen aller Beteiligten einbezogen. In einem Prozess, in den KuratorInnen, VermittlerInnen, und ausgewählte Besuchergruppen involviert waren, wurde ein Resümee aus der bisherigen Erfahrung mit der Vermittlung der musealen Präsentation gezogen. Nach genauerer Betrachtung aller ausgestellten Sammlungsbereiche wurden die Objektkonstellationen festgelegt, in denen sich die erarbeiteten und gewünschten inhaltlichen Themen mit den ausgewählten Exponaten nicht gut vermitteln ließen.
In den meisten Ausstellungen gibt es nicht zu Ende gedachte Themen, inhaltlich gewollte, aber nicht gelöste Bereiche. Bei Führungen und in anderen Vermittlungssituationen werden Unklarheiten und Widersprüche meist ignoriert und verschwiegen.
Das Museum der Dinge hat sich mit der aktuellen Revision diesen nicht gelösten „Feldern“ zugewandt und nach den Ursachen für eine ungenügende Vermittelbarkeit von Sammlungsthemen gefragt. Dabei ist wesentlich, dass das Museum weniger auf mediale Strategien zur Vermittlung seiner Inhalte setzt, als dass es "analog" mit Dingkonstellationen arbeitet. Das bedeutet, dass die Auswahl und die Platzierung von bestimmten Objekten von großer Bedeutung sind.

Es bedurfte einer besonderen Energie, eine existierende Ausstellung bei laufendem Betrieb zu überarbeiten. Leichter ist es, etwas ganz Neues zu entwickeln. Das Museum der Dinge nutzt das Ausstellungsformat generell mehr als Erkenntnisraum, denn als Ebene zur Präsentation von Ergebnissen. Die Revision seiner Schausammlung war erkenntnisreich und die vorgenommenen Veränderungen sind im Detail groß. Sie werden aber erst bei genauerer Betrachtung sichtbar, auf den zweiten Blick.












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