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Aktuelle Ausstellungen
Überarbeitung der SchausammlungIn den letzten Monaten hat das Werkbundarchiv – Museum der Dinge seine Schausammlung überdacht und überarbeitet. Die seit 2007 existierende ständige Ausstellung hat den Charakter einer Studiensammlung und die Ästhetik eines „Offenen Depots“. Diese Grundgestalt ist geblieben, die Veränderungen liegen im Detail. Zusammenfassend ging es um die weitere Fundierung ausgewählter Kontexte, die Ergänzung fehlender inhaltlicher Aspekte und um die Straffung der historischen Sammlungsbereiche zugunsten der aktuellen Produktkultur.
Auf der historischen Grundlage der polarisierenden Werkbund-Programmatik hat das Museum seine Schausammlung konzipiert und dialogisch in einer Gegenüberstellung von Vor- und Feindbildersammlung angelegt. Um diese Struktur zu vermitteln, war ursprünglich die Einleitungsvitrine mit schwarz-weißen Objekten ausgestattet, als Metapher für die polarisierende Argumentationsstrategie des Deutschen Werkbunds. Dieses "Bild" entsprach durchaus der musealen Intention, war aber für viele Besucher ohne zusätzliche Vermittlung kaum lesbar. Anstelle dieses Schwarz-Weiß-Bildes ist eine Einleitungsvitrine getreten, in der ausgewählte Objekte mit Begriffen kombiniert werden – eine Art von Bedienungsanleitung für die Schausammlung.
|  | | Einleitungsvitrine |
Ausgewählte Sammlungsbereiche konnten durch bedeutende Dauerleihgaben
und Schenkungen privater Sammler außerordentlich aufgewertet werden,
beispielhaft sind drei zu nennen: |  | | Spritzdekor | Die Abteilung für Spritzmuster aus den
1920er und 1930er Jahren konnte ergänzt werden. Das Dekor dieser
Objekte leitet sich insbesondere von konstruktivistischen Tendenzen in
der Kunst ab, war also durchaus modern. Allerdings repräsentieren sie
eine andere Richtung der Moderne als die ornamentlose Gestaltung, die
der Werkbund favorisierte.
|  | | Vitrine DDR-Produktdesign | Der zweite wesentlich aufgestockte Bereich ist der des
DDR-Produktdesigns. Die DDR-Produktkultur ist zwar für das museale
Kernthema Werkbund nicht relevant – in der DDR gab es den Werkbund nicht
–, aber es gab eine intensive Formdebatte, die sich an der Gestaltung
der Dinge ablesen lässt. Die neu integrierten, hervorragenden Beispiele
von DDR-Design tragen entscheidend zur Fundierung der in der
Schausammlung angelegten dialogischen Struktur ost-west bei.
|  | | Vitrine: Henry van de Velde
| Als letztes Beispiel ist die Fokussierung von einzelnen
Werkbund-Protagonisten zu nennen wie der belgische Künstler Henry van de
Velde oder der Grafiker Lucian Bernhard. Auch in diesem Kontext wurde
das Museum durch private Dauerleihgaben unterstützt.
Die Zusammenarbeit mit privaten Sammlern ist selbstverständlich nicht
grundsätzlich neu für das Museum der Dinge. Trotzdem ist hervorzuheben,
dass Personen, die sich durch die eigene Sammlungstätigkeit
spezialisiert haben, dem Museum auch jetzt wieder wichtige Impulse
gegeben haben. Gerade bei dem weiten Sammlungsfeld der alltäglichen
Produktkultur des 20. und 21. Jahrhunderts braucht es externe Experten,
die das Museum mit ihrem Spezialwissen unterstützen. In der
Zusammenarbeit zwischen Museumsmitarbeitern und den privat sammelnden
Spezialisten muss allerdings immer beachtet werden, wie der jeweils
gemeinsam analysierte Sammlungsbereich sinnvoll überarbeitet und ergänzt
werden kann. Der Spezialbereich darf durch die Beratung des externen
Experten nicht ein zu großes Gewicht erhalten oder in eine vom Museum
aus gesehen falsche Richtung akzentuiert werden. Diese Überprüfung kann
nur auf der Basis eines Sammlungskonzepts mit klaren Auswahl- und
Bewahrungskriterien sinnvoll stattfinden, um dessen Aktualisierung sich
das Museum der Dinge kontinuierlich bemüht.
In die Revision der Schausammlung wurden Erfahrungen aller Beteiligten einbezogen. In einem Prozess, in den KuratorInnen, VermittlerInnen,
und ausgewählte Besuchergruppen involviert waren, wurde ein Resümee aus der bisherigen
Erfahrung mit der Vermittlung der musealen Präsentation gezogen. Nach
genauerer Betrachtung aller ausgestellten Sammlungsbereiche wurden die
Objektkonstellationen festgelegt, in denen sich die erarbeiteten und
gewünschten inhaltlichen Themen mit den ausgewählten Exponaten nicht gut
vermitteln ließen.
In den meisten Ausstellungen gibt es nicht zu Ende gedachte Themen,
inhaltlich gewollte, aber nicht gelöste Bereiche. Bei Führungen und in
anderen Vermittlungssituationen werden Unklarheiten und Widersprüche
meist ignoriert und verschwiegen.
Das Museum der Dinge hat sich mit der aktuellen Revision diesen nicht
gelösten „Feldern“ zugewandt und nach den Ursachen für eine ungenügende Vermittelbarkeit von Sammlungsthemen gefragt. Dabei ist wesentlich, dass
das Museum weniger auf mediale Strategien zur Vermittlung seiner
Inhalte setzt, als dass es "analog" mit Dingkonstellationen arbeitet.
Das bedeutet, dass die Auswahl und die Platzierung von bestimmten
Objekten von großer Bedeutung sind.
Es bedurfte einer besonderen Energie, eine existierende Ausstellung bei
laufendem Betrieb zu überarbeiten. Leichter ist es, etwas ganz Neues zu
entwickeln. Das Museum der Dinge nutzt das Ausstellungsformat generell
mehr als Erkenntnisraum, denn als Ebene zur Präsentation von
Ergebnissen. Die Revision seiner Schausammlung war erkenntnisreich und
die vorgenommenen Veränderungen sind im Detail groß. Sie werden aber
erst bei genauerer Betrachtung sichtbar, auf den zweiten Blick.
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